Friedrich A. von Hayek

Prof. Dr. H. c. mult. Friedrich August von Hayek (1899-1992)

 

Die HIBS trägt den Namen Hayeks, weil sie sich dem Werk des Sozialphilosophen und Ökonomen verpflichtet fühlt. Die Verbreitung seiner wichtigsten Gedanken ist uns ein besonderes. Anliegen.

 

Friedrich A. von Hayek wurde am 8. Mai 1899 in Wien geboren. Sein Vater war Arzt und nebenbei Professor für Botanik. Als Arzt stieg er bis zum Präsident der Gesellschaft deutscher Ärzte in Wien auf. Als Botanik-Professor verfasste er anerkannte Standardwerke zur Pflanzengeographie Österreichs. Herausragende Wissenschaftler, wie z. B. der Nobelpreisträger Konrad Lorenz, verkehrten bei der Familie Hayek.

Nach dem Ersten Weltkrieg studierte Friedrich A. von Hayek in seiner Heimatstadt Rechts- und Staatswissenschaften. Ein Studienjahr verbrachte er in den USA, dann promovierte er in Wien zum Dr. jur., anschließend zum Dr. rer. pol., 1921 habilitierte er sich.

1932 wurde Hayek Professor für Politische Ökonomie und Statistik an der London School of Economics (LSE). Er übersiedelte nach London und wurde britischer Staatsbürger. Nach 20 Jahren folgten dann ab 1950 zwölf Jahre als Professor für Moral and Social Sciences an der University of Chicago. Hier entstand das epochale Werk „The Constitution of Liberty“ (1960) über die Grundlagen freiheitlicher Gesellschaftsordnungen.

1962 nahm er den Ruf auf den Lehrstuhl von Walter Eucken an der Universität Freiburg i. Br. an. 1968 übernahm er eine Professur an der Universität Salzburg, ehe er 1977 wieder nach Freiburg zurückkehrte. Nach seiner Emeritierung vollende er die Triologie „Law, legislation an Liberty“ (1973, 1976, 1979), das als sein bedeutendstes Werk gilt.

Noch während des Krieges, 1944, hatte Hayek die Initiative ergriffen, eine „liberale Internationale“ zu gründen eine Gesellschaft, in der sich liberale Historiker, Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler zu gemeinsamen Aktionen zusammenfinden sollten. So entstand die legendäre und berühmte „Mont Pèlerin Society“, benannt nach dem Ort oberhalb des Genfer Sees. Zu den ersten Teilnehmern gehörten Ludwig von Mises, Walter Eucken, Milton Friedman, Karl E. Popper und Wilhelm Röpke. Später gehörte auch Ludwig Erhard dazu.

Hayek gilt als der letzte Universalgelehrte des 20. Jahrhunderts und bedeutendste Freiheitsphilosoph und –ökonom. Über sechs Jahrzehnte führte er die „Österreichische Schule der Nationalökonomie“ an. Er war ein kompromissloser Verfechter einer klassisch-liberalen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung und verfasste im laufe seines Lebens fast 50 Bücher, knapp 30 Broschüren und rund 270 wissenschaftliche Ausätze. Seine Werke wurden in 20 Sprachen übersetzt. Die ungeheure Spannbreite seiner Werke umfasste Ökonomie, Biologie, Soziologie. Psychologie, Rechtswissenschaften, Geschichte, Politische Wissenschaft, Sozialphilosophie und Methodologie. Hayeks wissenschaftliche verdienste reichen von seiner Forschung zu Kapital- und Konjunkturtheorie, wo er als großer Gegenspieler von Keynes galt, über die Theorie des Sozialismus und Wettbewerbskapitalismus bis hin zu zentralen Fragen der Rechts- und Politischen Philosophie und Ideengeschichte.

 

1974 erhielt er den Wirtschaftsnobelpreis.

Hayek sah sich der Tradition der angelsächsischen Philosophie der Aufklärung (Adam Smith, David Hume) verpflichtet; kein anderer Denker hat mehr zur systematischen Entwicklung des klassischen Liberalismus („Grammatik der Freiheit“) beigetragen.

In seinem weltweit bekannten Buch „The Road to Serfdom“ (Der Weg zur Knechtschaft) wies er den Kollektivisten in allen Parteien nach, dass alle Spielarten des Kollektivismus letztlich unweigerlich zum Verlust der bürgerlichen Rechte, der individuellen Freiheit und des Wohlstandes führen. Daher war er ein entschiedener Kritiker des überzogenen, schuldeninduzierten Wohlfahrtsstaates und des staatlichen Missbrauchs der ungedeckten Geldschöpfung zum Zwecke der Schuldenfinanzierung von sozialen Wohltaten (Wahlgeschenke).

Die Impulse seines Werkes haben bis heute weltweit politische und wirtschaftliche Folgen. Hayek betrachte staatliche Konjunkturprogramme umso mehr als kontraproduktiv, als er in ihnen schon den Krisenursprung sah. Er lehnte das Denken in makroökonomischen Aggregaten grundsätzlich ab, weil das die Vorgänge innerhalb der statistisch gebündelten Größen verwischt. Aufgrund der aktuellen Schulden- und Finanzkrise suchen inzwischen wieder immer mehr Ökonomen Orientierung bei Hayek.

Von sich selbst sagte Hayek , seine wissenschaftliche Leistung resümierend, er habe in seinem Leben eine Entdeckung und zwei Erfindungen gemacht:

Mit den sog. Erfindungen, die auf der politischen Ebene nie umgesetzt wurden, meinte er sein Modell eines parlamentarischen Zweikammer-Systems sowie den Währungswettbewerb. Von grundlegender theoretischen Bedeutung ist Hayeks Entdeckung der Verwertung verstreutes Wissens und der damit entscheidenden Bedeutung des Preismechanismus, der über die Signalwirkung relativer Preise in der Lage ist, ansonsten miteinander unverbundene individuelle Entscheidungen und Pläne zu koordinieren und dabei nur dezentral vorhandenes Wissen zusammenzuführen und zu nutzen sowie immer wieder neues Wissen (Innovationen) entstehen zu lassen.

 

Ludwig Erhard wandte sich bei der Feier anlässlich seines 80. Geburtstages, kurz vor seinem Tod, mit den Worten an Hayek, dass er seine Bücher geradezu verschlungen habe; er habe der Freiheit ein Denkmal gesetzt. Vaclav Klaus der vormalige Ministerpräsident und Staatspräsident Tschechiens bezeichnet Hayek als sein großes Vorbild.

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